Psychotropikum

Tristan und Isolde nach Richard Wagner

Ein Tanzstück für zwei Tänzer, ca. 16min.

Tänzer: Jungyun Bae, Cristian Arenas Guillem
Konzept, Bühne, Choreografie, Video, Musik: Johanne Schröder
Plexiglas: 4m x 2m x 10mm
Wasserbecken, Bewässerungssystem

(2014)



Ein Hauptstreben von Richard Wagner ist, Innerliches nach Außen zu kehren und für andere emotional spürbar zu machen. Tristan und Isolde ist ein besonderes Beispiel dafür. Die äußere Handlung im Sinne äußerer Aktionen ist auf das Notwendige reduziert, sie wird gleichsam nach Innen verlegt. (Egon Voss). In diesem Tanzstück geht es auch im Besonderen um innermenschliche Vorgänge auf physischer und psychologischer Ebene. Wie und durch was entsteht der Wunsch sich liebender Menschen, zu sterben? Gedanklich ist für Tristan und Isolde der gemeinsame Tod ihre vollkommene Verschmelzung. Es ist ihr Wunsch Eins zu werden, die Grenzen zwischen Ich und Du aufzuheben.
Doch wieviel Gemeinsamkeit kann ein gemeinsamer Tod überhaupt haben? Was passiert mit Körper, Geist und Seele, wenn man einen Todestrank trinkt? Muskeln krampfen, Arme und Beine zucken…der Tod ruft Bilder in den Kopf, die der andere nicht teilt. Schmerzen erlebt jeder für sich. Und was sind das für Bewegungen, wenn plötzlich doch ein Überlebensinstinkt aufwallt, ein Würgen? Ein Zappeln? Ein sich vom Tode freikämpfen…? Und was für Empfindungen gehen damit einher? Verrat am anderen? Reue? Hoffnung? Kraft? Wie und durch was finden Tristan und Isolde wieder zu einem Gemeinsamen zurück, was überzeugt sie wieder von ihrer getroffenen Entscheidung zu sterben? Was passsiert organisch, wenn sich der Todestrank als Liebestrank entpuppt – was für Energien fließen durch den Körper und was lösen diese aus – wie verändert sich das Verhalten der Beiden, wie beeinflusst es ihre Gedanken und Wünsche?
Die Tänzer tauchen auf und verschwinden, lösen sich in ein verzerrtes Bild ihrer selbst auf, manchmal sind sie in aller Schärfe zu erkennen manchmal nur als organische Lichtflecken. Sie bewegen sich hinter einer schwebenden Plexiglasplatte, die durch ihre Oberflächenbearbeitung ein verschwommenes Bild, phasenweise aber auch, durch den Einfluss des Wassers, klares Bild erzeugt.
Ultraschallaufnahmen körperlicher organischer Bewegungen werden im 2. Teil auf die Plexiglaspatte projesziert. Ein Klanggewebe aus Geräuschen organischer Prozesse (beim Menschen) und Fragmente des Musikdramas strukturieren die Choreografie.